|
17. Juli 2003: Stern Printausgabe und Onlinemagazin
"...
Seelenstrip für alle
Viele Mütter haben ein Lieblingskind. Claudia Herold hat mehr als
3000. Immer, wenn die 28-Jährige von ihrem Halbtagsjob in einer Computerfirma
in Regensburg nach Hause kommt, warten sie schon. Erzählen von Liebeskummer
und erstem Geknutsche. Vom Ärger mit Kollegen, vom Supersex auf der
Tischtennisplatte im Stadtpark oder einfach nur von der Einsamkeit am
Wochenende. Beschweren sich, streiten und machen manchmal Ärger,
den sie dann schlichten soll. Dazu braucht Claudia Herold nur den Computer
in ihrer Wohnung anzuschalten. Denn von dort aus betreibt sie die größte
deutsche Tagebuch-Website im Internet: myTagebuch.de.
Tiefsinniges und Triviales
Tausende von Autoren formulieren hier, geschützt durch Pseudonym,
Tiefsinniges und Triviales, Poetisches und Politisches. Kids unter zehn
ebenso wie Professoren jenseits der 50, Frauen deutlich häufiger
als Männer. Sie wollen Gefühle verarbeiten, Erlebnisse festhalten,
sich selbst darstellen oder einfach nur Spaß haben. Die Reality-Soap
im Netz ist beliebter als mancher Feierabend-Krimi: Mehr als vier Millionen
Mal wird myTagebuch.de im Monat angeklickt.
Im Web
MyTagebuch.de "Der Tag heute ging unter Lesen und Warten dahin",
langweilt sich dort "Alexbaxter", 30. "Die Typen vom Pro-Markt
hatten mir ja zugesagt, den Fernseher zu liefern. Aber natürlich
kamen sie nicht." Oder, bekennt die 25-jährige "Kiddy"
freimütig: "Ich habe mir die Drei-Monatsspritze geben lassen.
Bin jetzt entspannter bei der Sache."
"Ich versuch doch nur, glücklich zu sein, aber meine Mutter
will das anscheinend nicht", schreibt dagegen die 16-jährige
Meggie: "Mein größter Wunsch wäre, dass ich ausziehen
kann". Ein Hilferuf?
"Manchmal geht das richtig unter die Haut, was die Leute so mitteilen",
findet Claudia Herold. "Trotzdem glaube ich, wir haben eine schöne
Community."
Die tippenden Seelenstripper zahlen sogar dafür
Rückmeldungen sind ausdrücklich erwünscht. Den tippenden
Seelenstrippern ist Feedback wichtig. "Richtig interessant wird es
doch erst, wenn man Kommentare kriegt", erklärt Sonja Brückner,
23, die seit einem Jahr Tagebuch schreibt. "Eigentlich ist mein Leben
nämlich ziemlich unspektakulär - dass ganz unbekannte Leute
daran Anteil nehmen, finde ich spannend." Monatlich zahlt sie 1,50
Euro dafür.
Was ist Dichtung, was ist Wahrheit?
Claudia Herold, die Einzige, die weiß, wer sich hinter den Pseudonymen
verbirgt, nimmt sich alles zu Herzen. Liest mit, achtet auf den Jugendschutz,
schließlich ist mehr als die Hälfte ihrer Autoren unter 21.
Schon öfter hat sie daran gedacht, die Polizei zu verständigen,
weil es auf ihrer Site so viele Essgestörte und Depressive gibt.
Aber - was ist Dichtung im Tagebuch und was Wahrheit?
Trotz dieses Erfolgs - leben kann die junge Mutter der virtuellen Nation
von ihrer Webseite bisher nicht. Mehr als eine Woche Urlaub auf Teneriffa
war von den Gebühren noch nicht drin. "Aber irgendwann will
ich mit der Site auch etwas mehr machen", sagt sie, "schließlich
bin ich nicht Mutter Teresa."
Evelyn Horsch/Maria Speck
Meldung vom 17. Juli 2003 ..." (Quelle: Stern.de)
März 2001: Compuserve,
GIGA.DE,
dasWebradio.de und c't
berichteten über myTagebuch.de!!
30.10.2000 Tomorrow, www.tomorrow.de
"My Tagebuch"
Haben Sie Lust bekommen, Ihr eigenes Online-Tagebuch zu schreiben? Bei
My Tagebuch können Sie es tun, die Site steht allen Hobby-Literaten offen.
Die persönlichen Geschichten der Autoren sind hier mitunter äußerst anregend..."
26.09.2000 PC-WELT, www.pcwelt.de
"Ein Tag im Leben
Wer ein normales Tagebuch führen will, der kann das gut mit Papier und
Stift tun. Vielleicht haben Sie aber auch das Bedürfniss, ihre Gedanken
mit anderen zu teilen - anonymisiert natürlich. Dann wird Ihnen myTagebuch.de
gefallen. Hier können Sie ein geheimes oder ein öffentliches Tagebuch
führen, Ihre tägliche Laune mit einem netten Smiley festhalten oder die
Einträge vergangener Tage noch einmal durchlesen. Auch eine Stimmungsstatistik
bietet Ihnen die Seite an. Wenn Sie Ihr Tagebuch öffentlich führen, haben
andere Besucher der Seite die Gelegenheit ihre Gedanken und Kommentare
zu Ihren Einträgen abgeben. Sie können sich natürlich auch anderen Autoren
mitteilen oder ihnen sogar Nachrichten schreiben. So haben Sie die Möglichkeit
interessante Leute kennen zu lernen. Dabei müssen sich Ihre Einträge nicht
auf ein Tagebuch beschränken: Kurzgeschichten, News, Lyrik und Satire
stehen als Kategorien genauso zur Auswahl wie Rollenspielberichte und
Science Fiction. (PC-WELT, 26.09.2000, meh)"
21.09.2000, 17:32:35 Uhr, supervisor (Autor von myTagebuch.de)
"nightshift, ich bin myTagebuch süchtig"
Nachdem ich mich gestern recht früh ausgeklinkt habe, in der Hoffnung
mal ausspanen und ausschlafen zu können wird der heutige Tag mit einer
Nachtschicht enden. Es gibt nur ein Problem ich habe Arbeit bis über die
Halskrause, aber ich komme zu nix. Zu meinen Alltagsdrogen hat sich eine
weitere Sucht gesellt, die Tagebuchsucht eine Subsucht der Internetsucht.
Ich bin ein labiler Mensch wenn ich ein Wörterbuch habe und den gesuchten
Begriff nicht auf Anhieb finde, dann ist es schon zu spät ich entdecke
ein anderes unbekanntes Wort und noch eins und noch eins und schon kann
ich nicht mehr aufhören zu lesen. So ähnlich geht es mir beim Tagebuch.
Wenn ich anfange mich mit einem Autor zu beschäftigen, indem ich einen
Eintrag lese, dann kann ich nicht eher aufhören bis ich all seine Einträge
gelesen habe. Ich komme kaum noch zum Arbeiten. Es ist dieser Schachbretteffekt
bei 8x8 Feldern=64 und der Verdopplung des Feldinhalts bei jedem Feld,
selbst wenn ich Reiskörner nehme, soviel Reis gibt es auf der ganzen Welt
nicht. Die Zahl der Autoren im Tagebuch wächst exponential, ich brech'
zusammen. Wie soll ich das alles schaffen ? Der Tag hat nunmal nur 25h
wenn ich die Pause durcharbeite. Meine Arbeit bleibt liegen, wir können
den Laden bald zu machen. Ich fordere an dieser Stelle wenigstens eine
Adresse für eine Entzugsanstalt. Das Szenario meines Auftritts wird sich
wie folgt abspielen. Ich komme in einen Raum, ein Klassenzimmer. Der Therapeut
hat auf den Tafeln und Flip-charts schon mal vorab die am meisten süchtig
machenden URL's aufgezeichnet. Er begrüßt mich mit Hallo, dreht sich in
den Raum und sagt:"Wir haben ein neues Mitglied dass sich gern vorstellen
möchte." Ich wende mich an meine neuen Freunde und Leidensgefährten und
sage:"Hallo, mein Name ist supervisor, ich bin myTagebuch süchtig." Und
die Menge antwortet im Chor: "Hallo supervisor." Der Therapeut nickt mir
wohlwollend zu und meint:"Das ist ja schon der erste Schritt in die richtige
Richtung, Selbsterkenntnis." Dann geht er zum Flipchart und unterstreicht
mit einem dicken roten Filzstift die verruchte URL, die natürlich schon
ganz oben auf der page gestanden hat. Er malt einen Totenkopf und einen
Blitz daneben und sagt: "Das ist der Feind http://www.myTagebuch.de. Sie
macht die Menschen schlaf- und arbeitslos. Mit einem einfachen Eintrag
fängt es an und steigert sich bis man rund um die Uhr liest und tippt,
man verliert die Arbeit, die sozialen Bindungen und die Kontakte. Sie
ist die Interneteinstiegsdroge schlechthin. Sie erwischt jeden: Mann,
Frau, Kind und Greis und ist deshalb so wahnsinnig gefährlich. So, jetzt
muss ich aber wirklich weiterarbeiten, sonst laufe ich Gefahr tatsächlich
so zu werden wie oben beschrieben."
|