|
Der Film zum Tagebuch
Meine Lieben, jetzt habt Ihr einen guten Grund, mich zu beneiden: Das
Tagebuch der Fröschin ist verfilmt worden. Oder jedenfall vervideot. Gestern
war Guido von der Firma Guidovideo hier in Frogg Hall. Mit einer Videokamera
und dem Auftrag, die Fröschin zu filmen. Philemon musste aus ihrem Tagebuch
vorlesen. Damit Ihr nicht zu neidisch werdet: Die Aufnahmen fanden
schliesslich draussen statt, bei Minus zwei Grad und dichtem Hochnebel. Fast
zwei Stunden lang. Und der Auftraggeber war Philemons und Euer alter
Bekannter Nitroglyzerin, kurz Nitro.
Er, Mitveranstalter von Poetry-Slams, Guru der Internet-Literatur und
begnadeter Akkordeonist, hatte die Idee: Am 23. Januar ist in Frösch grosser
Tagebuch-Abend. Sechs Autoren werden mit einem Video vorgestellt, darunter
Naomie und Philemon von myTagebuch. Dazu Slavko, der grosse Tagebuchzeichner
aus dem Bosnienkrieg. Und wahrscheinlich Severin, Verfasser unzähliger
Reisetagebücher – er, der stadtbekannt dafür ist, dass er Frösch schon immer
verlassen wollte und doch immer geblieben ist. Und noch zwei andere. Die
Videos, die Guido von ihnen gemacht hat, werden im Theater zur singenden
Ameise gezeigt. Mitsamt anschliessendem Sofatalk von Tagebuch-Fachleuten.
Guido ist bekannt für liebevolle Ironie seiner Werke. Das kann ja heiter
werden!
Doch nicht nur die selbstverständlich sehr zeitaufwändigen Vorbereitungen
für die Dreharbeiten haben mein langes Schweigen bewirkt. Da war ausserdem:
– Ein grosser Besuch von Vater und Mutter Frogg und den Schwiegereltern
Tiger in spe. Im Verlauf der Vorbereitungen zu diesem Gastmahl hätte die
Fröschin dem Tiger eines fehlenden Silberlöffels wegen beinahe die Augen
ausgekratzt.
– «Red Dragon» am Sonntag nachmittag im Kino. Ein Film, der die Fröschin vor
Angst so steif machte, dass sie einen Tag lang nicht schreiben konnte.
– Eine Audienz bei der männermordenden alten Dame. Erwartungsgemäss erzählt
sie nachmittagsfüllend Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg, den die
Schweiz von Ferne sah.
– Eine halsbrecherische Reise durch die Nacht, hinaus aufs Land, wo Swetlana
und Peter ihre Weihnachtszeit fern von Russland verbringen.
– Eine gewisse Schreibmüdigkeit, ausgerechnet jetzt!
Ach, die Weihnachtszeit! Immer viel zu viel los! Jede dieser Episoden würde
zwei Einträge füllen. Nun weiss ich nicht, was ich Euch als nächstes
erzählen soll. Wenn Ihr Lust habt, könnt Ihr wählen!
müde
|