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Startseite » Tagebuch » User: Autor, weiblich philemon frogg [ 45 J.]
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Tagebucheintrag von Autor, weiblich philemon frogg [ 45 J.] vom 24.12.2002, 15:05 Uhr


Und jetzt die Tigermutter beschenken!

«Also gut, dann kaufe ich ihr ein Buch!» seufzt Philemon zum Tiger.
Dabei vermeidet sie, allzu angeödet zu klingen. Das bringt jetzt eh
nichts: Es ist der 24. Dezember, und die letzten Geschenke gehören
gekauft. Unter anderem ihres für die Tigermutter. Philemon hat sich
ratlos vom spanischen Delikatessenladen um die Ecke auf
Büchergutscheine zurück zum spanischen Delikatessenladen
gedacht. Der Tiger: «Ein Buch, das wäre gut. Aber Gutscheine!? Nö,
das findet sie daneben. Und ich übrigens auch!» sagt der Tiger. Kein
Wunder, dass diese Familie das Problem mit den Geschenken noch
nicht gelöst hat. Tiger und sein Bruder versuchten es früher mit
Verweigerung, scheiterten aber. Tigermutter zog weiterhin eine absolut sinnlose Geschenkorgie durch.

Klar, Geschenke müssen sein. Diese Erkenntnis hat Philemon
schon vor Jahren gemacht. Sich mittreiben zu lassen im
vorweihnachtlichen Sturm auf die Altstadt ist der Preis, den wir dafür
zahlen, dass wir am Heiligabend nicht allein in unserer
Zweizimmerwohnung dahingrübeln müssen. Im übrigen: Alle, die
behaupten, Weihnachten sei ein besinnliches Fest, sind entweder
Heuchler. Oder sie haben nie kritisch hinterfragt, was ihnen der Pfarrer erzählte,
als sie Kinder waren. Weihnachten ist ein Fest. Ein Fest, an dem wir
unter anderem feiern, dass der liebe Gott uns die Glühbirne hat
erfinden lassen. Und dass Glühbirnen auch leuchten, wenn es
draussen ständig neblig oder dunkel ist. Deshalb finde ich das mit
dem Geschenken ganz in Ordnung. Und weil es für die meisten
Alltagsprobleme eine Art Optimum zwischen zwei Extremen gibt,
muss es auch für die Geschenke sowas geben. Eine Art Dialektik
des Geschenkekaufens.

Die Familie Frogg hat dieses Optimum schon vor Jahren gefunden.
Immer anfang Dezember ruft die Fröschin Mutter Frogg an und fragt:
«Na, was wünscht Ihr Euch zu Weihnachten?» Dann diktiert Mutter
Frogg: «Für mich einen Deodorant Chanel No. 5 oder ein Nachthemd
von Calida, lang, Grösse M, nicht gelb. Und für Pa Büchergutscheine
von der Buchhandlung am der Wilhelm-Tell-Platz. Die Kleine braucht
Holzspielsachen.» Und Philemon gibt desgleichen Wünsche durch.
Ihr ganzer Haushalt besteht aus Weihnachts- oder
Geburtstagsgeschenken: Der Teppich im Wohnzimmer. Der Mixer,
das Brotmesser, der Teekocher und so weiter. Eigentlich hat sie nie
selber einen mittelgrossen Einrichtungsgegenstand gekauft. Was
sollte man ihr sonst schenken? Das Frogg'sche Optimum hat ein
paar Nachteile – wie alle Optima übrigens: So weiss man zum
vorneherein, was man bekommt. Und manchmal vergessen die mit
Gutscheinen Beschenkten, die Papierchen einzulösen. Aber letztlich
überwiegen die Vorteile.

Doch zurück zur Tigermutter. Ehrlich gesagt, hat der Tiger natürlich
sein eigenes Optimum in Geschenksachen gefunden: Er kauft
seinem Vater jedes Jahr einen schönen Schnaps, seiner Mutter
einen prächtigen Blumenstrauss. Aber Philemon ist noch neu. Es ist erst ihr zweites Weihnachtsfest bei der Familie Tiger. Sie hat ihren eigenen Dreh bei den Geschenken für die Tigermutter noch nicht gefunden. Also schickt sie sich in Tigers Weisung und geht in
die Buchhandlung an der Rütlistrasse. Sie betritt die Buchhandlung
und sieht alle diese wunderschönen Bücher, die niemand wirklich
wollte. Sie kauft eines davon und ahnt: Die Tigermutter wird es nie,
nie lesen. Aber vielleicht findet sich die Lösung ja nächstes Jahr.

Und jetzt: Allen frohe Weihnachten! Geniesst die Glühbirnen! Ich
muss los, zum Familienfest!


Betrunken crazy


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"Die Morgengedanken eines Nachtschattengewächses"
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