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Ein Rezept gegen die Langeweile beim Sport
Richtig langweilig wird’s beim Wandern ja erst, wenn der Kopf zu müde ist zum denken. Vorher kann man die Landschaft geniessen; einen Streit mit einem Kollegen nochmal durchleben und nochmals richtig sauer auf ihn werden; kühne Entschlüsse für die Zukunft fällen; ganze Tagebuch-Einträge im Geiste vorverfassen.
Aber wenn man schon Stunden unterwegs ist... wenn der Kopf müde und die Füsse voller Blasen sind... wenn man nicht so genau weiss, ob hinter der nächsten Kurve das Ziel ist oder ob es doch erst hinter der über-über-übernächsten kommt... wenn man sich nichts so sehr wünscht wie einen Helikopter, der gleich auf der Wiese neben uns landet und uns mitnimmt... dann hilft nur noch Philemon’s Rezept gegen die Langeweile beim Sport. Es geht so:
1) Man fixiere den sichtbaren Anfang und das sichtbare Ende seines Weges. Dort,
wo unser Weg vor uns verschwindet, ist unser erster Ziel. Wichtig: Auch wenn man sich in dieser Phase umdrehen muss, darf man nur dann stehenbleiben, wenn man andernfalls Gefahr läuft, in die Tiefe zu stürzen.
2) Man gehe weiter, Schritt für Schritt und beginne seine Schritte zu zählen (1... 2... 3...). Dabei schaue man fortan nur noch nach rechts oder links oder senke gar den Blick auf den Weg. Man schaue auf die Blümchen am Wegrand, auf die Steine im Weg, die Pfützen, denen wir ausweichen oder den majestätischen Gipfel zu unserer linken oder den merkwürdigen Vogel auf der Wiese zu unserer Rechten. Auf keinen Fall aber blicken wir nach vorne oder nach hinten.
3) Erst exakt bei Schritt Nummer 100 blicken wir nach vorwärts, auf die Stelle, wo unser Weg verschwindet. Bei einer Schrittlänge von 60 bis 70 Zentimetern sind wir dem Ziel etwa 60 Meter näher gerückt. Das ist nicht viel. Trotzdem werden wir sehen, dass wir unserem ersten Ziel näher gerückt sind.
4) Man senke wieder den Blick und zähle bis 100. Dann blicke man zurück zum Anfangspunkt des Weges. Nun sind wir 130 Meter weiter. Unsere Perspektive hat sich verändert. Wir merken, dass wir vorwärts kommen und wissen: bis zum ersten Ziel schaffen wir’s. Ob uns dort der Helikopter holen muss, werden wir sehen.
5) Wir beginnen wieder auf 100 zu zählen. Wer zu früh nach vorn oder hinten guckt, muss wieder bei 0 mit zählen anfangen. Das Prozederre dauert so lange, bis wir unser erstes Ziel erreicht haben.
7) Ist das erste Ziel erreicht, definiert man sich das nächste. Und so weiter. Nach drei Viertelstunden gibt’s eine Pause mit hinsetzen, einem Apfel oder Schokoriegel und Wasser.
Also, ich bin so immer dort angekommen, wo ich hinwollte. Ohne Helikopter.
Da fällt mir gerade ein. Vielleicht liesse sich das ganze auf andere Lebenslagen anwenden. Dann könnte ich hier eine Lebensberatung eröffnen: Das Tantra der 100 Schritte oder so. Aber... nein, im Normalfall wäre mir dieses Verfahren doch etwas zu monoton.
Das hier ist übrigens die siebte Folge meines Gotthard-Epos. Sie ist meinem
unbekannten Leser alias holen25 alias Martin gewidmet. Weil er so charmant die vierte und fünfte von insgesamt sieben Stimmen für dessen Fortsetzung lieferte.
@pete: Tja, auch Feuilletonisten scheitern manchmal. Die haben aber dann einen Redaktor, der’s ihnen sagt. Danke trotzdem, dass Du mich bei einer Peinlichkeit gebremst hast. Weiter so.
müde
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