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Dies hätte ein alberner Eintrag werden können
Erst wollte ich heute einen albernen Eintrag schreiben. Irgendwas
über meine neuen Schuhe, von denen ich Blasen kriege. «Die
Rache des Modegottes» hätte er geheissen. Aber dann musste ich
ständig an die Rede von Göran Persson denken. An die Totenklage
des schwedischen Ministerpräsidenten für Anna Lindh. Die Rede
kam am Mittag am Radio. Erschütternd. Philemon wollen die Augen
übergehen. «Wie kannst Du an so einem Tag etwas albernes
schreiben?!» fragt sie.
«Philemon, weisst Du noch? 1997?» frage ich zurück. 1997 machten
wir täglich eine Auslandseite bei einer kleinen, linken Tageszeitung.
Die Seite war wie gemacht zum Totenzählen: Tschetschenen und
Russen, Palästinenser und Israelis, der gerade aktuelle Völkermord
in Afrika. War es Kongo? Ruanda? Hutu? Tutsis? Ich weiss es nicht
mehr. Ein Dutzend gewaltsam Getötete auf der Welt an einem guten
Tag. Mehrere hundert an einem schlechten. Alle namenlos. Alle
reingepackt in sauber gelayoutete Zwölfzeiler. Keine Zeitung machte
grosses Aufhebens um sie.
Dann kam Luxor. 23 Touristen, einige davon Schweizer, erschossen
von so genannten islamistischen Extremisten. Für die nahm man
hierzulande die fetten Buchstaben zur Hand! Und die rote Farbe!
«Das ist zynisch!» empörte sich damals Philemon. «Warum nimmt
kein Mensch die fetten Lettern zur Hand für ein Dutzend tote
Tschetschenen!?»
«Und Du willst jetzt also Deine fetten Lettern zur Hand nehmen
wegen einer toten schwedischen Ministerin, deren Namen Du vorher
nicht mal gekannt hast? Nur, weil die Rede so erschütternd war?
Das ist doch auch zynisch!» sage ich. Sie denkt nach. Lange. Ich
sage: «Im Grunde könnte man ja nie etwas albernes schreiben. Aber
das wäre dann nicht zynisch, sondern unmenschlich.»
Heute gibt es trotzdem nichts albernes. Morgen vielleicht.
ausgeglichen
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