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Nur Deutsche sagen «Fränkli». Wir Schweizer tun das niemals
Ihr Deutschen denkt ja immer, wir Schweizer seien ein simples Volk, und unsere Sprache müsse demnach geradezu dämlich unkompliziert sein: Einfach bei jedem Substantiv ein bisschen mit den Vokalen rumspielen, am Schluss ein «-li» dranhängen, fertig. Schon könntet ihr jenen herzig infantilen Geisteszustand vortäuschen, angesichts dessen wir Eidgenossen Euch einfach Brüderschaft anbieten müssten.
Am liebsten übt ihr ausgerechnet mit dem Wort «Fränkli». Gerade neulich hat mein geschätzter Mitautor Rabi mir eine Mail geschickt. Darin ging es um Geld, und er erklärte mir gönnerhaftin etwa: Das, was bei uns Euro heisst, heisst bei Euch «Fränkli». Bestimmt hoffte er, ich würde ihm augenblicklich einen roten Pass und damit eine Linzenz zum «Fränkli»-verdienen bestellen.
Statt dessen habe ich ihn barsch zurechtgewiesen. Natürlich setzen wir hierzulande jede Menge Wörter in die «-li»-Form – in bestimmten, unterschiedlich häufig auftretenden Lebenslagen.
Zum Beispiel Einrichtungsgegenstände: Tischli, Bänkli, Löffeli («Chuchichäschtli» gehört in diese Kategorie. Das Wort brauchen aber nur die Phantasielosen unter uns – und die ausschliesslich, um Ausländer auf ihre Gutturallautfähigkeit zu testen.
Naturphänomene sogar: Wölchli, Glünggli*, Liechtli
Und natürlich Tiere: Müüsli, Häsli, Elifänteli.
Aber auch nach langem nachdenken fiel mir keine Situation ein, in der ein Schweizer das Wort «Franken» zu «Fränkli» mutieren würde. Geld ist einfach eine viel zu ernste Angelegenheit, um in den Diminutiv gesetzt zu werden. Selbst das Wort «Euröli» habe ich noch nie aus einem Schweizer Mund gehört. Obwohl die Schweizer Grammatik das durchaus zuliesse, und der Euro das Kleinkind unter den Weltwährungen ist.
Ja, ich kann Euch das Wort «Fränkli» sagen hören! Nein, ihr sagt nicht «Fränkli» sondern «Frenggli», denn einen richtigen Gutturallaut, ein krachendes «k», kriegt ihr Teutonen ja nicht am Halszäpfli vorbei. Und auch ein offenes «ä» haben nur Kultursprachen wie Schweizerdeutsch und Englisch (zum Beispiel «Have you had your salad?» Da würde ein Deutscher immer sagen: «Hev you hed your seled.») Und derweil ihr «Frenggli» sagt, versucht ihr zu singen. Zu singen, wie wir das angeblich tun, mit diesem dünnen Heulen auf der zweiten Silbe, als wolltet ihr gleich zu jodeln beginnen. Furchtbar!
«Aber Philemon, wozu die Aufregung?! Es geht doch nur um ein paar läppische Fränkli!» werdet ihr jetzt fragen (oh, es gibt ja doch eine Situation, in der der Gebrauch des Wortes «Fränkli» sinnvoll ist!).
Ja, das frage ich mich auch. Ich verstehe Philemons Ärger selbst nicht recht.
Als Antwort bleibt mir nur der Rückgriff auf uralte Klischees: Wir haben Angst vor Euch! Ihr seid ähnlich und doch anders als wir. Aber von Euch gibt es zehnmal mehr als von uns. Nicht umsonst heisst Deutschland bei uns «der grosse Kanton». Wir haben Angst, 60 Millionen «Fränkli»-Sager im Norden würden eines Tages Tages mit Kriegsgeheul («Frenggliiiiii!!!!!») über uns herfallen. Angst, ihr Deutschen würdet uns Euren Tschibo-Kaffee, Eure schlechten Manieren und Eure schreckliche Küche (Spätzle...) aufzwingen – und wir dürften nur noch RTL sehen! Von Euch Vielen da drüben empfinden wir schon Verbrüderungsversuche als gefährliche Anbiederung. Auch wenn Ihr es gar nicht böse meint. Lasst es Euch gesagt sein.
Oder wollte sich Rabi bloss über uns Helvetier lustig machen und mich ärgern?
Tja, dann hat er sein Ziel offensichtlich erreicht. Aber merke wohl, lieber Rabi: Wenn sich der Grosse über den Kleinen lustig macht, dann macht er das besser besonders gut. Sonst ist es nicht lustig, sondern peinlich!
* eine kleine Pfütze
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