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Philemon Einohr Frogg meldet sich zurück und weiss endlich, an welcher Krankheit sie leidet
Montag morgen. Ich erwache aus einem angenehmen Traum: Philemon Frogg wollte heiraten. Ein turbulenter Traum. Ein Traum, der ein Gefühl von Lebensfreude und angenehmer Aufregung verströmte.
Aber als ich wach bin, ist es vorbei mit der Lebensfreude. Ich erinnere mich: Derzeit bin ich Einohr Frogg. Ich höre grauenhaft schlecht auf dem linken Ohr. Und jetzt ist auch noch das Wochenende vorbei und ich muss zurück zum Fröscher Tagblatt. Unangenehm. Denn letzte Woche wurde mir das Büro zum Ort geradezu kafkaesken Schreckens. Noch das Bravourstück geriet zur Katastrophe. Und vom Rest wollen wir gar nicht reden. Normalerweise würde ich das alles ja easy wegstecken. «Jeder Arbeitsplatz hat seine Schattenseiten», würde ich sagen. Oder: «Ich bin die Karawane und ziehe weiter.» Aber wenn Dich das Pochen im Ohr eh schon fast vom Bürostuhl haut...
Aber ich bin ja ein harter Typ. Ich gehe in die Küche und mache Kaffee und Müsli. Wenigstens die Erdbeeren freuen mich ein bisschen.
Blöd nur: jedesmal, wenn ich mich umdrehe, dreht sich die Küche ein Stück mit. Eine leichte Gleichgewichtsstörung. Hatte ich auch schon. Hängt mit dem Ohrenleiden zusammen. Weil der Gleichgewichtssinn und das Innenohr verbunden sind. Aber so schlimm war's noch nie. «Verdammt, ich verliere ständig das Gleichgewicht», sage ich zum Tiger. Dann setze ich mich hin und beginne zu essen. Stur. Starre die Zeitung an. So vergeht der Schwindel. Ja. Schwindel. Zum ersten Mal bin ich bereit, diese leichte Gleichgewichtsstörung «Schwindel» zu nennen.
Dann, beim zweitletzten Schluck Kaffee, wird mir schlecht. Ich lege mich hin, mit dem Kotzeimer neben dem Bett. Wenn ich nur den Kopf nur schon um 45 Grad drehe, bekomme ich Brechreiz. Vom Bett aus telefoniere ich ins Büro und melde mich krank. Ich kann kaum reden. Nach einer halben Stunde kommen die Erbeeren rückwärts.
Noch eine halbe Stunde. Dann kann ich aufstehen.
Der Zufall will es, dass ich an diesem Morgen sowieso zum Ohrenarzt Doktor Konventionell muss. Der nickt zufrieden. Endlich hat er, was er wollte. Einen Schwindelanfall! «Die Meniere’sche Krankheit! Die kommt halt mit drei Symptomen: Hörverlust, Ohrgeräusche und Schwindel.» Ich habe noch nicht mal die Energie, mich zu ärgern, dass er nun doch Recht haben soll. Gegen die Meniere-Diagnose habe ich mich lange gewehrt. «Schwindel!» pflegte Philemon bei solchen Reden zu sagen, «Wer hat denn sowas!? Wir stehen doch mit beiden Beinen fest auf dem Boden!» Ja, ja. Besonders Philemon!
Tja. Nach diesem Schwindelanfall ist es klar. Ich werde akzeptieren müssen, was ich meinem Arzt zwei Jahre lang nicht glauben wollte. Ich habe die Meniere'sche Krankheit.
Der Herr Doktor verschreibt mir eine dicke Dosis Cortison. Dann zückt er seinen blauen Schreibblock. «So, jetzt schreibe ich sie für drei Tage krank!» Ich wehre mich noch. Krank sein. Das kann ich jetzt gar nicht gebrauchen. Ich hatte im Januar doch schon die Grippe. Was werden die im Büro von mir denken?! Karlo ist doch heute ganz allein! Aber der Doktor kennt keine Gnade. «Wer etwas hat, hat etwas!» sagt er, reisst das Arztzeugnis vom Block und drückt es ihr in die Hände.
Zu Hause rufe ich nochmal im Büro an. Fühle mich topfit. Schwindel wie weggeblasen. Gebe Karlo meine besten Ideen mit auf den Weg. Organisiere alles, was organisiert sein muss. Dann lege ich mich zufrieden mit einem Tony Hillerman-Krimi auf den Balkon. Geniesse die Sonne und die freie Zeit. Mit der Zeit höre ich sogar besser.
Erst als ich abends in den Spiegel schaue, erschrecke ich ein bisschen. Einohr hat eine Gesichtsfarbe, als hätte ihr jemand blaue Farbe injiziert und sie dann weiss angestrichen.
besorgt
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