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Philemon Frogg als leicht doofe Heldin eines Sex & Shopping-Romans
Ich habe ein neues Eau de Toilette. «Light blue» von Dolce & Gabbana. Das riecht so schön nach Meer und Mandarinen. Deshalb wollte ich es auch. Obwohl meine Freundin Helga «D& G» immer nur «Doof & Geil», nennt. Als ich ihr damals erzählte, meine Brille sei von D&G, hat sie mich schon sehr merkwürdig angesehen. Über mein neues Parfum werde ich ihr nie was erzählen.
Wobei: Helga traue ich zu, dass sie mein Eau de Toilette von sich aus erkennt. Denn Helga weiss immer über alle Markenartikel Bescheid. Deshalb würde sie sich zur Heldin für einen Sex- und Shopping-, kurz S&S-Roman eignen. Nur ist sie leider eine Marketing-Tusse. Heldinnen von S&S-Romanen sind aber fast immer Journalistinnen. Deshalb muss ich mich immer mit ihnen vergleichen, wenn ich einen lese.
Warum ich gelegentlich S&S-Romane lese, statt stets etwas Gescheites? Meine Lieben! Journalistinnen müssen etwa 12 Stunden am Tag ungeheuer kluges Zeug denken. Selbst dann, wenn sie nur fürs Fröscher Tagblatt arbeiten. Da brauchen sie zum Ausgleich gelegentlich etwas Doofes. Ausserdem müssen sie über den Zeitgeist auf dem Laufenden sein. Und ich glaube nun mal, dass Unterhaltungsromane sehr viel über den Zeitgeist aussagen.
Aus England habe ich den neuen Roman von Helen Fielding mitgebracht, die Autorin der Bridget Jones-Tagebücher. Die Bridget Jones-Romane sind keine S&S-Romane. Ihr neuer Roman aber, «Olivia Joules and the Overactive Imagination», ist einer. Oder besser gesagt: ein als Thriller getarnter S&S-Roman. Die Heldin ist Journalistin, tourt durch die Viersternhotels dieser Welt, hat immer viele Kosmetika dabei und fickt am Schluss den... nein, das verrate ich Euch nicht!
Aus dem Buch habe ich ein Zitat darüber, wie man sich vor einer sehr Furcht erregenden Situation am besten benimmt: «Ganz bestimmt zieht man einfach seine Balenciaga an und geht!» Soll die Gattin eines sehr reichen Mannes gesagt haben, ein Vorbild unserer Heldin. Erst dachte ich ja, eine Balenciaga wäre eine Handtasche. In Furcht erregenden Situationen denke ich nämlich, wenn schon an ein Accessoire, an meine Handtasche. Handtaschen haben so etwas Mütterliches, selbst wenn sie sportlich aussehen.
Eben erst ist mir aber eingefallen, dass Balenciaga wahrscheinlich eine Uhr ist. Eine, bei der schon der Markenname den Gegner dermassen einschüchtert, dass er einfach nur noch doof aussieht.
Aber Philemon Frogg ist nun mal nicht für die kompetitive Welt des allumfassenden Kommerzes geschaffen. Nein, die Frogg denkt an mütterliche Handtaschen! Da haben wir’s: Doof und geil und überhaupt hoffnungslos. Übrigens: Meine Handtasche ist Marke Giudit, Made in Italy. Schon mal gehört? Macht nichts. Sie ist sehr schön, überaus praktisch, genau die richtige Grösse für den Schreibblock, den ich beim Arbeiten benütze.
Zum Glück liefert der Roman wenigstens eine Lebensweisheit, die Philemon Frogg schon fast wieder salonfähig macht: «Halte es immer mit jenen Leuten, die wissen, dass sie Schwächen haben und lächerlich sind.» Sagt ein kluger, alter Mann. Genau so ist Philemon Frogg. Sie hat Schwächen und ist lächerlich. Man sollte es mit ihr halten. Na also.
Trotzdem: Als ich besagten Roman beendet hatte, beschloss ich, es besser wieder mal mit einem Krimi zu versuchen. Da muss man sich nicht ständig minderwertig vorkommen. «Blow Fly» von Patricia Cornwell. Auch aus England, spielt aber in Amerika. Naja, vielleicht war’s auch ein Thriller. Spielt überhaupt keine Rolle. Ich bin nicht mal halb durchgekommen. Das Buch ist widerlich und paranoid. Gnade uns Gott, wenn es den amerikanischen Zeitgeist nach dem 11. September spiegelt!
Jetzt habe ich mich enttäuscht wieder weniger aktueller Lektüre zugewandt: Ich lese gerade James King‘s Biographie von Virginia Woolf. Und wer nicht begriffen hat, dass das jetzt eine Pointe sein soll, ist nicht doof und geil. Er muss einfach meinen letzten Eintrag lesen.
@inorbit: Sie war gar nicht hübsch, die Woolf. Sie selber hielt sich gar für ausgesprochen hässlich.
P.S. Meine Recherchen haben ergeben, dass ich bei Balenciaga mit Handtaschen doch nicht so falsch lag. Aber es gibt auch Balenciaga-Uhren. Und meine These stimmt nach wie vor: Marken sind etwas Kriegerisches. Man verwendet sie, um den Gegner einzuschüchtern.
@alle: Wenn ich nicht bald irgend etwas über unsere Ferien erzähle, glaubt mir am Schluss keiner mehr, dass ich wirklich in England war. Ich werde Euch mehr erzählen, so bald ich die Bilder beieinander habe.
versprochen
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