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Bittebitte gebt diesem armen Knochenhaufen den Speck der Poesie!
Heute früh ertappe ich Philemon dabei, wie sie das Bild von Condoleezza Rice in der Zeitung ganz merkwürdig anschaut. Als wäre die Frau eine alte Vertraute. Diese Härte! Diese Diszipliniertheit! Diese Unsinnlichkeit!

Dieser harte Gesichtsausdruck erinnert mich an jenen, den Philemon Frogg zur Zeit trägt. «Brr, Philemon! Diese schreckliche Frau» rufe ich, «das kanns ja wohl nicht sein!» Die senkt schuldbewusst den Blick. «Ja, ich weiss», sagt sie, und dann: «Der Job ist schuld!» Im Büro schieben wir gerade wieder Neun- und Zehnstundentage in Serie.
Das Frogg'sche Tagwerk gefällig?
7.30 Uhr: Tiger küssen, aufstehen, frühstücken, Zeitung lesen
8.45: Computer im Büro einschalten, arbeiten
12.05: Mittagessen
13.00: weiter arbeiten
Zwischen 19.30 und 20.30: Computer im Büro ausschalten, nach Hause gehen, ins Sofa sinken, Süppchen essen, fernsehen
23.30 Uhr: Tiger küssen, schlafen gehen
An freien Tagen (heute) mache ich nebenbei ein paar Stunden lang die Dinge fürs Büro, die richtig Spass machen.
Ja, ja, der Job ist ok. Die Arbeitstage sind im Schnitt eine Stunde kürzer als vor einem Jahr. Die guten Momente sind, weiss Gott, häufiger geworden. Und ich weiss: Es gibt Tausende von Jobs, an denen es gar nichts gibt, was wirklich Spass macht.
Aber die Frogg jammert. Ihr fehlt der Speck der Poesie. Ihr Hintern wird zwar vor lauter Stress immer dicker. Aber vor lauter Hunger ist ihr Gedankenleib zu einem dürren Knochenhaufen abgemagert.
Einst hat sie darauf verzichtet, Bibliothekarin zu werden. Sie wollte nicht in einer Welt leben, die auf einer Karteikarte Platz hat. Jetzt endet ihr Horizont an der weissen Linie eines Parkplatzes (gebührenpflichtig oder nicht? – das angesagte Fröscher Lokalthema). Sie lebt in einer Welt der Bildschirme und der Papierhaufen. Vom Anblick des Fröscher Stadtlogos kriegt sie Kopfschmerzen, und, eben, vor ihrem geistigen Auge sieht sie Condoleezza...
Neulich, ja neulich war es anders. Da fuhr sie nachts allein über Land, das Autoradio lief, ein Song namens «Electric Snowdrops», überirdisch, kühl und licht und das zarte, hohe Klingeln der Töne fütterte auch das linke Ohr der Frogg. Momente wie auf einer winterlichen Mondreise.
Aber das ist schon wieder eine Weile her.
Nun ja. Ich habe frei. Jetzt setze ich diesen Eintrag online. Dann suche ich hier noch ein bisschen Futter für die Frogg! Vielleicht werde ich ja fündig.
P. S. Inzwischen bin ich an unerwarteter Stelle fündig geworden
immer noch hungrig
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