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Meine Deutsche Freundin Helga flieht aus der Schweiz
Wir haben über Brad Pitt gestritten. Und zusammen Bridget Jones entdeckt – und Harry Potter. Wir haben zusammen Sushi gefressen. Und Spargeln zu uns genommen. Spargeln auf pfälzische Art, jawohl! Mit Bratkartoffeln. Und, naja, auch mit Mayonnaise. Wie man das hierzulande macht. Obwohl sie sagte: «Also, ich verstehe einfach nicht, wie man Spargeln mit Mayonnaise essen kann!!!»
Wir haben zusammen über Männer philosophiert. Und über die Conditio (wie sie das Dasein zu nennen pflegt). Wir haben in der Sauna Kämpfe mit alten Säcken ausgefochten. Wir haben... naja, es reicht.
Von meinen Freundinnen ist sie die einzige, die versteht, was malochen mit einem macht. Ich meine malochen wie wir kinderlosen Dienstleistungssklavinnen in der Schweiz das tun. Sie war selber eine. Bis sie ein Burnout hatte. Bis sie arbeitslos geworden ist. Das ist fast zwei Jahre her.
Neulich habe ich ihr die Bücher zurückgegeben, die sie mir geliehen hat. Ich hatte von ihr noch zwei Krimis. Und «Die Kunst des Romans» von Milan Kundera. Das hat sie mir vor mehr als fünf Jahren geliehen. Ich habe es nie gelesen, aber es war wie ein Stück von ihr in meiner Wohnung.

Sie war länger und länger arbeitslos. Immer öfter hat sie geklagt, sie habe Heimweh nach Deutschland. Da sagte die Frogg, abergläubisch, wie sie ist: «Den Kundera gebe ich ihr nicht zurück, sonst geht sie.»
Aber jetzt habe ich ihr auch den Kundera zurückgegeben. Sie geht jetzt soweiso mit oder ohne ihn. Weil sie hier bald kein Arbeitslosengeld mehr bekommt. «Bald kann ich mir Wohnung in der Schweiz nicht mehr leisten. Und eine andere finde ich hier nicht, wenn ich arbeitslos bin.» Aber in Deutschland hat sie eine gefunden. Wenn auch noch keinen Job. Verdammt, sie ist erst 44.
Im November zieht Helga zurück nach Deutschland zurück. Nach fast zehn Jahren in der Schweiz.
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