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Tagebucheintrag von Autor, weiblich philemon frogg [ 45 J.] vom 30.12.2006, 14:04 Uhr


10 Bücher für die einsame Insel

Hier bin ich. Krank geschrieben hüte ich meine Wohnung. Rede mir ein, alles sei in Ordnung. Aber nichts ist in Ordnung. Deshalb besichtige ich meine Bücher. Ich entstaube sie, blättere in ihnen, lese. Sie sind das Sparkonto meines Geistes, der Winterspeck meiner Seele. Ich brauche sie.

Der absolute Notvorrat:

J.K. Rowling: «Harry Potter and the Prisoner of Azkaban»

Der beste Harry Potter. Mit einem wirksamen Zauber gegen Depression. Wer Harry Potter auf Deutsch nicht erträgt, sollte ihn auf Englisch lesen. Auf Englisch ist Harry Potter grossartig.

Annemarie Selinko: «Désirée».

Das Trostbuch überhaupt. Historischer Roman. Über die Frau, die fast Napoleon geheiratet hätte, dann aber Königin von Schweden wurde.

John LeCarré: «The Constant Gardener» (2001)

Ja, für eine Krimiautorin wie mich brauchts ja auch einen Krimi. Für den «ewigen Gärtner» habe ich mich spontan entschieden. Vielleicht, weil Ralph Fiennes auf dem Cover so sexy aussieht. Weil er in der Geschichte einen Männertyp verkörpert, mit dem ich immer gut gefahren bin: engagiert, fleissig, liebevoll, genügsam und nicht allzu neugierig. Und natürlich, weil John LeCarré der sprachbegabteste Krimiautor im Universum von Philemon Frogg ist.

William Shakespeare: «King Lear».

Ehrensache, dass alt-Anglistin Frogg einen Shakespeare auf die Insel mitnimmt. Lear ist der Beste: Er ist archaisch, ein Märchen über Vater und Töchter, aber kein Kinderzeugs.

Günter Grass: «Die Blechtrommel»

Die Alternative zur Schöpfungsgeschichte in der Bibel. Dieses Buches wegen habe ich im Nebenfach Germanistik studiert! Wegen der vier Röcke von Grossmutter Anna Bronski auf dem Kartoffelfeld! Wegen der vier Röcke unter denen hervor die Welt von Oskar Matzerath entsteht.

Ryszard Kapuscinski: «Afrikanisches Fieber»

Meine Entdeckung des vergangenen Jahres. Hat mich mehr über Weltpolitik gelehrt als viele Jahre Zeitungslektüre. Ausserdem beschreibt Kapuscinski Kakerlaken in Liberia, einen Malaria-Anfall oder Ghanaer beim Warten auf den Bus mit einer Anschaulichkeit... Weltliteratur!

Helmut Stalder: «Mythos Gotthard» (2003)

Das einzig brauchbare Buch über die Schweiz, das ich in den letzten Jahren gelesen habe. Dazu eine Anleitung für eine Frogg'sche Obsession.

Camille Paglia: «Sexual Personae» (1990)

Paglia war die erste, die den Schwachsinn im Feminismus Schwachsinn zu nennen wagte, und das schon in den neunziger Jahren! Und sie schrieb noch heute gültige Dinge wie: «Die moderne Jagd nach Selbstverwirklichung hat nicht zu sexuellem Glück geführt, denn die Behauptung des Selbst mündet lediglich ins amoralische Chaos der Libido. ‚Freiheit’ ist die am meisten überbewertete moderne Idee aus der Romantischen Rebellion gegen die bürgerliche Gesellschaft» (...also, hier ist sie ungenau...) «Aber nur innerhalb der Gesellschaft können wir Individuen sein».

Douglas Adams: «The Hitch Hiker’s Guide to the Galaxy» A Trilogy in Four Parts (1993)

Anstatt der Odyssee. Und weil man auf der einsamen Insel etwas zum Lachen braucht. Und weil ich einen so handlichen Sammelband mit allen vier Teilen besitze.

Max Goldt: «Okay, Mutter, ich nehme die Mittagsmaschine», (Haffmans, 1999)

Der pralle Alltag von anno dazumal. Und auch zum Lachen!



Lol gestrandet


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"Die Morgengedanken eines Nachtschattengewächses"
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