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...und dann knallte es mir plötzlich die Strasse ins Gesicht
Freunde, falls Ihr diese Titel nicht versteht: Sucht den Fehler nicht bei Euch. Er ist der unsinnigste Titel, den ich je geschrieben habe. Die halbe Nacht lang habe ich mir überlegt, wie ich anders beschreiben könnte, was mir passiert ist. «Dann bockte die Strasse unter mir wie ein Rodeo-Pferd? Ich konnte mich gerade noch hinlegen, sonst hätte sie mich in hohem Bogen abgeworfen?» Naja, auch ziemlich merkwürdig. Und viel zu malerisch für das, was ich erlebt habe.
Also, ich kann es ja auch nüchtern, sachlich und allgemein verständlich zu sagen: Ich hatte einen schweren Drehschwindelanfall auf offener Strasse. Aus heiterem Himmel. Ich konnte mich gerade noch selber hinlegen, sonst wäre ich in hohem Bogen auf den Hinterkopf gefallen.
Aber das sagt ja überhaupt nichts darüber aus, wie sich so was anfühlt.
Nun, der Reihe nach: Es war so 22.30 Uhr abends, und ich war auf dem Nachhauseweg von der Arbeit. Zum ersten Mal seit 10 Jahren hatte ich die Auslandmeldungen gemacht. Auslandmeldungen machen, das heisst Tote zählen: im Irak, in Afghanistan, in Israel. Und so weiter. Eigentlich ist das nichts Neues für mich. Eigentlich halte ich das für heilsame Arbeit: Sie erinnert mich ständig daran, welches Glück ich habe, in der Schweiz zu leben. Es ist auch spannende Arbeit. Und sie ist ziemlich hektisch. Schon kurz bevor ich das Büro verliess, verspürte ich diesen unguten Druck im Ohr.
Draussen war ein lauer Frühlingsabend. Draussen spazierten junge Frauen mit diesen langen, getupften Kleidern, die jetzt in Mode sind. «Ach ja, das gibt es ja auch!» dachte ich.
Dann ging ich 200 Meter weiter. Und dann knallte es mir die Strasse ins Gesicht. Ehrenwort: Diese Scheiss-Strasse hat mich einfach nach hinten geworfen. Ohne Vorwarnung und schnell wie der Blitz. Erst mal lag ich da, bei vollem Bewusstsein, etwa eine Minute lang und dachte: «Zum Glück ist es heute so schön warm und trocken!» Dann traute ich mich, mich aufzusetzen. Mehr ging nicht. Wenn ich die Mauer zwei Meter von mir weg anschaute, haute sie sich jedes Mal mit voller Wucht in mein Gesicht. Ja, Freunde, ungefähr so war es.
Nein, es war nicht wie vor der Oppenheimer Bar. Dort verlor ich das Bewusstsein.
Es war schlicht und ergreifend ein Menière’scher Anfall von der fiesesten Sorte. Klar, ich habe auch schon Menière’sche Anfälle gehabt. Aber noch nie so einen. Das war kein Anfall, das war eine ausgewachsene Menière’sche Attacke.
Nach fünf Minuten war ich zwar nicht fährig aufzustehen. Aber ich konnte telefonieren. Ich dankte dem Herrgott für die Erfindung des Handys (zum ersten Mal in meinem Leben) und rief den Tiger an. Nach fünf Minuten holte er mich ab. Er musste mich stützen. Ich konnte nicht allein gehen.
Nach zwei Stunden war der Spuk vorbei. Aber heute ist mir immer noch ganz flau.
ratlos
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