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Ich ernähre mich von Luft und Dörraprikosen
Was isst eigentlich ein Nachtschattengewächs in jenen pausenarmen Arbeitsstunden zwischen 15 und 24 Uhr?
Nun, da gibt es die bizarrsten Gewohnheiten. Nehmen wir zum Beispiel Nachtschattengewächs Philemon Frogg. Sie ernährt sich in jenen Stunden hauptsächlich von Reiswaffeln und Dörraprikosen.
«Reiswaffeln??!!» werden jetzt die Geniesser unter Euch ausrufen. «Es gibt doch nichts, was nach weniger schmeckt als Reiswaffeln!»
Die Geniesser unter Euch haben recht. Mit Reiswaffeln ist es wie mit folgendem Witz über amerikanisches Bier. Frage: «What do american beer and making love in a canoe have in common?» Antwort: «They’re both the same: fucking close to water.»* Reiswaffeln sind nicht «fucking close to water», sondern «fucking close to air», oder zu Deutsch: Reiswaffeln essen ist fast wie verdammte Luft essen. Denn Reiswaffeln haben keinen Geschmack, kein richtiges Gewicht im Mund und, wichtig: fast keine Kalorien. Und: Wenn man genug von ihnen isst, machen sie satt. Und ich muss sagen: Dank Reiswaffeln gewann Philemon Frogg den Kampf gegen jenes eine, vermaledeite Kilo, das sie stets bedrängte. Jedenfalls fast drei Jahre lang. Jetzt scheint er verloren. Dafür beginnt jetzt der Kampf gegen das nächste Kilo. Mit Reiswaffeln.
Die Frogg’sche Vorliebe für Dörrfrüchte hat ihren Ursprung in der Diät des Wunderdoktors von Kurligen. Dieser hatte ihr Süssigkeiten so gut wie verboten und statt dessen Dörrfrüchte empfohlen. Nun gibt es ja verschiedene Dörrfrüchte: Pflaumen, Rosinen, ja Mangos und Ingwer. Aber nein, die Frogg ist Dörraprikosen. Weil: Neuerdings gehört der Quartierladen neben dem Fröscher Tagblatt einem Türken. Nun ist das an sich kein Problem, denn der Türke führt mittlerweile schon Philemon Frogg’s geliebte Reiswaffeln. Aber sein Dörrfrüchte-Sortiment ist beschränkt. Er führt nur Dörraprikosen. Dafür haben die es in sich: Sie tragen die Aufschrift «BAKTAT». Bestimmt hat das nichts mit Bagdad zu tun. Dennoch denkt die Frogg «Bagdad», wenn sie «BAKTAT» liest. Und dabei denkt sie nicht an vier entführte Engländer und das Dutzend Tote vom letzten Bombenanschlag.
Nein, sie denkt zurück an jene Autobahnraststätte, in der sie einmal abgestiegen ist. An der Autobahn zwischen Damaskus und Bagdad. Daran, dass dort weissgekleidete Syrer sassen und spaghettiförmigen Käse assen. Käse, der furchtbar stank. Dass das die östlichste Stelle der Welt war, an der die Frogg je gewesen ist. Noch lange vor dem zweiten Krieg im Zweistromland, anno 1998.
Und dann beginnt die Frogg mitten in der Arbeit zu träumen.
*Frage: «Was haben amerikanisches Bier und Liebe machen im Kanu gemeinsam?» Antwort: «Beides ist genau gleich: verfickt nahe beim Wasser.»
verträumt
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