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Philemon, der Hanf und die Paranoia
Philemon selber hat seit Jahren keine so genannten weichen Drogen konsumiert. Als sie 17 war aber, da war der Konsum von Hanfprodukten allerhöchst verboten und deshalb in den Gassen der Altstadt von Frösch äusserst angesagt.
Da wollte auch die kleine Moni vom Kraut, beziehungsweise vom «Piece» probieren. Obwohl sie sich insgeheim sehr davor fürchtete. Thomi, ihre schmerzhafte Jugendliebe aus dem Kirschblütental, führte sie in die Geheimnisse des Hanfkonsums ein. Die ersten drei Male an der Wasserpfeife geschah, wie üblich, überhaupt nichts. Im Gegenteil: Die Gymnasiastin fand die verladenen Witze und das Gelächter der versammelten Kifferkollegen total pubertär.
Nach dem vierten Mal betrat Philemon eine Konzerthalle, wo gerade Jimmy Cliff aufspielte. Die Halle kam ihr riesig vor. Sie fürchtete, frei nach Asterix, das Hallendach werde ihr auf den Kopf fallen. Nicht so schlimm, dachte Moni, du wirst Dich dran gewöhnen.
Beim fünften Mal aber wurde es richtig schlimm. Es war im Frühsommer 1983: Eine latente Moni-Migräne verstärkte sich nach einem nächtlichen Paffausflug auf den Hügel vor der Stadt massiv. Mit einer pochenden Ader über dem rechten Auge und zwei Typen, die sie kaum kannte, stand P. später in einer Bar herum. Thomi war nicht dabei. Und auch nicht ihre erste Liebe Guido, die sie für Thomi verlassen hatte.
Die Konversation setzte sich aus Nicken und Kopfschütteln und Bemerkungen über die Lautstärke der Musik zusammen. Ihre beiden Gefährten schauten sie an und Philemon wusste, was sie dachten: «Welch ein Flittchen», dachten sie, und dasselbe dachten die Barfrau und die Leute an allen Nebentischen. Philemon war nicht verladen genug, um nicht zu wissen, wie man es nennt, wenn jemand weiss, was andere über ihn denken: Paranoia.
Paranoia, nein. Das war etwa das letzte, was Philemon brauchen konnte. Vater Frogg galt als paranoid, und Ein Verrückter in der Frogg-Familie war definitiv genug! Sie bezahlte ihr Kafi Träsch, («wir fahren Dich mit dem Auto nach Hause!» protestierten noch die beiden Gefährten, aber sie waren, weiss Gott, zu verladen für sowas!) trat hinaus auf die Gasse, suchte ihr Fahrrad und radelte nach Hause in den nahen Vorort K.
«Nie wieder!» dachte sie.
Nun gut, noch einmal ist sie einem von einem Freund gezogenen Gras aus dem wunderbaren Kirschblütental gegenüber schwach geworden. Am übernächsten Tag, einem Sonntag, musste sie einen Arzt aufsuchen, weil ihr Gesicht dick aufgeschwollen war. «Das ist eine Allergie», sagte der Arzt und fragte: «Was haben Sie denn gemacht?» Philemon wusste es nicht so genau.
Aber seither gibt sie einem guten Glas Wein den Vorzug.
ausgeglichen
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