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"Tage schwinden,
Tage trauern,
Tage, die du einfach nicht glauben willst.
Tage, die an dich glauben,
Tage die's nicht tun,
Tage, die an dich glauben,
doch du tust es nicht.
Tage voll Sorgen
Tage voll Wut
Tage, manchmal
voll Übermut.
Manche Tage, und was für Tage,
strahlen einfach,
Zeugen
für alles, was auf dich zukommt."

(aus: James Baldwin, Was für Tage,
in "Jimmy's Blues" Gedichte, zweisprachig, deutsch von Thomas Stegers. Rohwolt Taschenbuch Verlag 1984)


Vergißmeinnicht

Es blüht ein schönes Blümchen
Auf uns'rer grünen Au,
Sein Aug' ist wie der Himmel
So heiter und so blau;
Es weiß nicht viel zu reden
Und alles, was es spricht,
Ist immer nur dasselbe,
Ist nur: Vergiß mein nicht.
Wenn ich zwei Äuglein sehe,
So heiter und so blau,
So denk' ich an mein Blümchen
Auf unsrer grünen Au.
Da kann ich auch nicht reden,
Und nur mein Herze spricht:
Du meines Lebens Wonne,
O Lieb', vergiß mein nicht.

( August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1846)



Der Engel

Wie ist der hülflos, der mit nichts als Worten
aussagen soll wie er dich fühlt und sieht;
dieweil dein Leben festlich sich vollzieht
wie aufgehoben, wie in Sopraporten
in welchen neben dir ein Engel kniet.

Ein Engel - : ein im Himmlischen Zerstreuter,
der um dich ist seitdem du hier erschienst;
kaum jemals trauriger, kaum je erfreuter,
doch immer strahlender in deinem Dienst:

so hingegeben wie an große Räume
an dich, du weite, unbekannte Welt,
und wie ein Kind in seine ersten Träume
so atemlos in dich hineingestellt.

Beschäftigt, dir dein Leben hinzureichen,
die Stunde, die du grade ihm bestimmst,
und schwindelnd von der Größe ohne gleichen
mit der du sie aus seinen Händen nimmst:

verbraucht er seine vielen Ewigkeiten
in deiner Zeit wie einen kurzen Tag.
Er wird nie wieder heimgekehrt zu seiten
der andern Engel im Aeropag

des Himmels stehn; auch nicht im Weltgerichte.
Sein Platz wird leer sein auf der Engelsbank.
Doch man wird sagen von dem Angesichte
an dem ein Engel lebte und ertrank.

Aus: Rainer Maria Rilke: Die Gedichte 1906-1910 (zuerst veröffentlicht: Paris, Juni 1906)

09.01.2006:
Wenn die Welt zu nichts anderem gut wäre, so ist sie doch ein ausgezeichneter Gegenstand der Betrachtung.
(William Haglitt)

...eigentlich bin ich ganz anders:

 

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